Mit SustainEx, einem von Schroders entwickelten Tool, kann der Einfluss von Firmen auf die Umwelt quantifiziert und Klumpenrisiken im Portfolio können identifiziert werden.

4,1 Billionen Dollar – so viel Gewinn erzielen alle kotierten Gesellschaften weltweit pro Jahr. Müssten sie allerdings für alle von ihnen verursachten Externalitäten aufkommen, sänke dieser Gewinn auf 1,9 Billionen Dollar. Ein Drittel der Unternehmen würde sogar Verlust schreiben. Das zeigt eine Auswertung des Teams von Andrew Howard. Er ist verantwortlich für das Research im Bereich Nachhaltigkeit bei Schroders. «Unternehmen agieren nicht in einem Vakuum. Sie sind Teil der Gesellschaft, von der sie Arbeitskräfte rekrutieren, an die sie ihre Produkte verkaufen und unter deren Rechtsprechung sie stehen. In den vergangenen Dekaden konnten sich Unternehmen darauf konzentrieren, den Gewinn zu maximieren – ohne sich gross darum zu sorgen, welche Folgen ihr Handeln auf die Gesellschaft und die Umwelt hat. Das ändert sich derzeit», ist Howard überzeugt. Weil Regierungen weniger gewillt sind, die von den Unternehmen verursachten Kosten zu tragen, nehmen staatliche Eingriffe in die Wirtschaftswelt zu wie beispielsweise durch Mindestlöhne, Steuern auf Zucker und den CO2-Ausstoss oder durch Glücksspielverbote. Kosten, die von den Unternehmen ehemals einfach auf die Gesellschaft abgeschoben wurden, lasten heute und in Zukunft wohl noch schwerer auf der Ertragsrechnung. Gewisse Geschäftsmodelle haben sich unter diesen veränderten Rahmenbedingungen überholt und sind nicht mehr zukunftsfähig.

Werkzeugkasten für Anleger

Howards Team hat zur Quantifizierung von Nutzen und Schaden der Unternehmen für die Umwelt und die Gesellschaft ein Tool namens SustainEx entwickelt. SustainEx zeigt auf, welche Risiken Konzerne in Zukunft zu schultern haben. Es geht Howard nicht darum, allgemeingültige Antworten zu finden, sondern den Werkzeugkasten der Anleger zu erweitern. Konkret kann SustainEx als Entscheidungshilfe dienen, in welche Unternehmen investiert werden soll.

Externalitäten inklusive würde ein Drittel der Firmen Verlust schreiben.

Doch wie funktioniert SustainEx? Grundsätzlich handelt es sich um eine Bottom-up-Analyse, die sich auf rund 9000 Gesellschaften erstreckt. Untersucht werden 47 Einflussfaktoren eines Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft. Das Modell berücksichtigt rund 400 wissenschaftliche Studien zum Themenkreis «Einfluss von Externalitäten auf Gesellschaft und Umwelt» und 70 Datenpunkte pro Unternehmen. Zusätzlich fliessen unkonventionelle Datenreihen wie etwa Patentanmeldungen oder der gefühlte Stress von Arbeitnehmern in die Analyse ein.

Tabakkonzerne besonders schädlich

Welche Branchen haben nun aber einen besonders positiven und welche einen besonders negativen Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft? Telecoms, Pharma- und Gesundheitskonzerne, die Assekuranz sowie Anbieter alternativer Energie rangieren oben in der Auswertung. Zuunterst – mit riesigem Abstand – befinden sich die Tabakkonzerne. Zur Ermittlung der durch Tabakkonsum verursachten Kosten für die Gesellschaft haben die Analysten von Schroders 12 unabhängige Studien zurate gezogen. In Dollar übersetzt wird der Schaden auf durchschnittlich 1,2 Billionen pro Jahr veranschlagt. Von diesen Kosten entfällt rund die Hälfte auf die kotierten Tabakkonzerne. 40 Prozent der Weltproduktion stammen von CNTC, dem staatlich kontrollierten chinesischen Tabakriesen, und weitere 10 Prozent von anderen nicht kotierten Unternehmen. Die kotierten Tabakkonzerne verursachen rund 600 Milliarden Dollar Kosten jährlich. British American Tabacco mit einem Marktanteil von rund 11 Prozent ist alleine für Externalitäten im Umfang von rund 65 Milliarden Dollar verantwortlich.

Anleger tun gut daran, mögliche Investments auf solche «versteckte» Kosten abzuklopfen. Denn Unternehmen werden zunehmend zur Rechenschaft für ihr Handeln gezogen. Industrien, deren Geschäftsmodell in erster Linie darauf beruht, die Kosten für die von ihnen verursachten Externalitäten zu vermeiden, dürften als Folge weiter unter Druck geraten. SustainEx kann helfen, solche Klumpenrisiken aus dem Portfolio zu verbannen.

Facts

Schroders verfügt über 215 Jahre Anlageerfahrung. Mit Hauptsitz in London und einem verwalteten Vermögen von rund CHF 551.1 Milliarden* ist Schroders einer der weltweit führenden unabhängigen Vermögensverwalter. In der Schweiz ist Schroders seit über 50 Jahren fest verankert und beschäftigt hier 400 Mitarbeiter.

Schroders ist mit seinem integrierten Ansatz im Bereich nachhaltiges Investieren führend. Das Unternehmen wurde von der NGO ShareAction zum besten gesamteuropäischen Fondsmanager in diesem Bereich ernannt und von der UN-Initiative Principles for Responsible Investment (PRI) mit einem Rating von A+ zum fünften Mal in Folge ausgezeichnet. Mit dem Erwerb der Mehrheitsbeteiligung am führenden Impact-Investor BlueOrchard dieses Jahr baut Schroders seine Impact-Investing-Kompetenzen weiter aus.
*Stand: Schroders, per 30. Juni 2019

Andrew Howard, Head of Sustainable Research

Andreas Markwalder, CEO, Schroder Investment Management (Switzerland) AG

Adrian Nösberger, CEO, Schroder & Co Bank AG

Schroder Investment Management (Switzerland) AG
Central 2, 8001 Zürich
T. +41 44 250 11 11
info-sim@schroders.com
www.schroders.ch

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